Tageslicht

I.

stehe am offenen fenster, die nacht, die meine gedanken, den rauch, meinen atem hinaus zieht in eine wolkenlose kälte. alles löst sich am horizont, an der grenze zur freiheit des tages, der still auf seine unabdingbarkeit wartet. wartet auf meinen nächsten atemzug. der meine spur in sich aufsaugt, um sie mit seinem ersten licht zurück in die trügerische freiheit unserer augen zu streuen. milch im kaffee. wo werde ich erwachen?

 

II.

der wind treibt die wolken aus südost, deckt den himmel zu, legt die sterne schlafen. tritt ein durch das fenster meiner stille, in den hof letzer gedanken, brennt in den augen, die farben letzter bilder. und da sind nur noch diese worte, die töne, der eigenen inneren melodie. sie klingt leise, stetig, taktgeber eines unaufhörlichem pulsierens. es rauscht in meinen ohren. das tote meer aus südost. salziger geschmackt beißt auf der zunge. töne die sich finden, worte die sich fügen, zu wahrheiten, zu geschichten, die ich fand, sie zu meinen eigenen machte, in diesem geschmack der worte. der kaffee steht wie gewohnt an seinem platz, hier neben mir am fenster, während mein atem, der rauch, hinauszieht in eine sternenlose nacht. wieß in schwarz. wo bin ich erwacht?

 

III.

ich erwache. der himmel ist noch bedeckt, sein blick hinter kalt grauem nebel. allein. der traum geht, die tür fällt hinter ihm in ins schloß. das leise knarren der treppedielen. er ist gegangen, wird sich lösen, auflösen zwischen den menschen die mit ihm auf den zug warten, erlösen, in der schweigenden unerkanntheit eines neuen tages. hier, zwischen all diesen zweifelnden blicken. ich stelle keine fragen, suche keine antworten. eine tasse kaffee neben meinem bett. jemand hat sie dort vergessen. farben mischen sich, dampf schwabt über den tassenrand. wie schmeckte noch der aller erste schluck … warum bin ich erwacht?