Tauchgang I

suche die ruhe
zwischen den wegen
geborgen in der stille der stunden
wo träume die worte
neben den sätzen schreiben
in farben
die keiner bilder bedürfen
und ich kann sie fühlen
die nähe
die neben den armen schweigt
in denen ich still versinke
unter den dächern unserer zeit

Zugverbindung 5

… all die vielen nächte in zügen, auf bahnhöfen. die unzähligen stummen gesichter, im vorbeigehen. all die vielen geschichten ohne erinnerung, die namenlosigkeit. das alles nur um zu erkennen, dass sie nicht übel sondern teil sind, teil meiner zeit, meines lebens. die standarten von laternen ziehen vorbei, ich lasse mich fallen. in diesen sitz, den wagon, den zug mit seiner geschwindigkeit, in ein leben, dass vor meinem fenster voreilt. eile, weiter und weiter, nach vorn, nicht stehen bleiben, immer neues, immer dem kommenden verpflichtet, mir selbst einen schritt voraus, nicht stolpern, schritt halten, dabei sein, nur nicht allein sein. allein. mit mir. mich umschauen, hinschauen, zurückschauen, begreifen. allein sein. der moment mit mir. es ist mir schon lange nicht mehr so aufgefallen wie bedrohlich zeit sein kann wenn man sie hat. allein. wenn man endlich die stunden bekommt, all das zu tun, wofür man sie sich gewünscht hat. und dann ist sie da. still, natürlich, mit diesem arroganten lächeln der selbstverständlichkeit. und ich habe angst, komme in panik, die ruhe schreit mir ins gesicht, wohin, wohin mit mir, mit diesem menschen der mir gegenübersitz und auf antworten wartet.
sie war schon immer da. ist immer da und wird es auch noch sein, wenn ich, getrieben und atemlos, am rande dieses spielfelds zusammenbreche. im schatten unter den tribühnen der gehetzten. sie war schon immer da, warum habe ich sie nie richtig gesehen, ihre hand genommen, sie geküsst, verführt, geliebt? kein kaffeezwischenstopp, kein blick, kein halt. kein anhalten, aussteigen, stehen bleiben. ach ja, der anschlusszug. ein andermal, alles eindermal, dass leben verschoben im festen glauben morgen wird auch heute sein. als ob … ich es könnte. und sie weis es. ich weis es. und doch laufe ich fort.
ach ja, der anschlusszug, ich muss umsteigen, der weg über schwerte. kein halt, kein wort, nur wieder ein anderer. bahnhof.
verspätung. ich weis garnicht warum ich das immer noch erwähne. kein anschluss. stillstand. kein fortkommen mehr. alleine. endlich. leute die flüchten. ein vollkommen überforderter bahnbegleiter, der wind ist kalt. sie stehen wie ich, verunsichert am gleis, suchen nach etwas, das sie im system hält. ich bin ausgestiegen, endlich ausgestiegen, fühle meine schritte, bin frei. kein kaffee, dafür einen schienenersatzverkehr, geht doch. ich beginne zu verstehen.
ich beginne mit meinem gegenüber zu sprechen. es fühlt sich gut an, fast leicht. gedanken beginnen zu fließen, ich sitze am ufer und folge mit meinen blicken dem vollbeladenen schubkahn, der gegen die strömung kämpft. möwen umtanzen den kurzen mast. doch so nah am meer. wie weit ist es noch? länger als der gang zum kühlschrank?
stop. die gedanken steigen aus. der letze zug wartet. rennen, nur nicht den anschluss verpassen, rein in die wärme, den geruch der anderen. ein bekannter geruch, die frau gegenüber, ich hatte sie schon gesehen. ein gesicht, wie viele, viele gesichter in ihrem treibenden strom in schattigen bahnhofsgängen, da wo alles läuft, fährt, fließt, nur ich stehe noch am ufer …
ich habe heute ein feuerzeug, 5 euro fünfzig, zwei zigaretten, eine leere bourbon dose und eine hand voll lachen verschenkt. an wen? ich weis es nicht.
eine lange zeit zwischen zwei orten. der kürzeste weg zu dir. vielleicht habe ich jetzt keine angst mehr …

Alternativtext

Zugverbindung 8

möchte mich wieder in mein leben fallen lassen
wissend
von ruhe gefangen zu werden
umarmd des gefühls
das kindertränen in schmetterlinge wandelt
fiebernächten seinen blauen kuss schenkt
die tage ändern sich
jetzt wieder
man kann es nicht leugnen
der blick in den spiegel
morgens,
nach verlorenen nächten
das bild am geöffneten fenster
die farben, die menschen,
ihre art dinge zu tun
fahren, weiter,
weiter fahren als das mein jetzt mich greifen könnte
das gesicht der schienen,
die scheinbar unabdingbar richtung nacht streben,
es verändert sich im lauf der jahreszeiten
gerade noch greller sonnenschein
jetzt schon zwielicht
grün zu braun und gelb
abendlachen zu melancholischem laternenschein
rußgeschmack
der wunsch schwillt mit jedem atemzug
getragen von erinnerung
dem wissen um gestern
in dem sich worte über bildern türmen
die fortgeschwemmt von melodien
in nicht endenwollenden nächten an gedankenstränden branden
jetzt ein fader lichterschein
von vorbeihuschenden fenstern
am abteilhorizont
eingeklemmt im rettungsboot
wagon 79
und wenn ein bahnsteig kommt
wer wird aussteigen
wen werde ich finden
im spiegel am morgen
flüsternde stimmen streichen mir über das gesicht
ein versprechen an den tag
an die musik, die bilder,
die worte, die wie mein spiegelbild
immer da sind

mich aufzufangen.

Stille Zukunft

Du siehst die Vergangenheit
im Licht der Sterne.
Ihr Glanz der Deine Auge füllt.
Und wärest Du ihr Leuchten
würdest Du in Ewigkeit zum Anfang reisen,
unendlich Dein Licht über Welten verteilen,
mit dem Tod auf Augenhöhe,
Kopf an Kopf, bis nichts mehr bleibt,
nur die Gewissheit, dass es keine gibt.
Kein Anfang, kein Ende.

Du hörst die Worte
im Klang der Fantasie.
Ihre Reigen die Deine Gedanken füllen.
Und wärest Du ihr Sinn
würdest Du in Wahrheit zur Seele sprechen,
unendlich Deinen Atem über Köpfe breiten,
mit der Stille auf Augenhöhe,
Seite an Seite, bis nichts mehr klingt,
nur die Gewissheit, dass es keine gibt.
Kein A, kein O.

Und so sprichst du Deine Worte,
während du das Licht der Sterne atmest.
In Ewigkeit, Vergangenheit.

Nacht ended

Ist es meine Nacht?
Ein Kreuzzug der Wünsche,
über Okzident und Orient,
ein letzter Sonnenaufgang,
die Haut so frierend wie mein Leben.

Ist es Deine Nacht?
Eine Odyssee der Hände,
über Haut und Haar,
ein letzter Kuss,
das Blut so fließend wie Dein Leben.

Ist es unser Tag?
Eine Arkatur der Erinnerung,
über Tod und Teufel,
ein letzter Schritt,
das Fleisch so brennend wie unser Leben.

Es ist mein Raum,
angefüllt mit Deiner Freiheit,
in unserem inneren Monolog,
eine letzte Zigarette,
die Asche so lang wie ein Leben.

Nacht beginnt

wo die nacht sich legt
erwachen sterne
kriechen schatten hervor
aus tagwarmen erinnerungen

augen werden müde blind
unerkanntes steigt empor
erregung des neuen
färbt wünsche lustvoll dunkel

wo die nacht sich legt
suchen hände
streicheln lippen lippen
in freiheit einer anderen welt

worten wachsen leise flügel
sie brechen aus
erheben sich aus mündern
ihre wahrheit zu finden

suchen, finden, küssen dich

Wortstrand

flüster mir worte
im schatten einer bucht
erlöse meine gedanken
von den wellen und dem wind
nimm sie in deine arme
wenn das meer allein am stein zerbricht
ihre wogende gischt
die mit dem ruf der möwen
an steilen felsen hinaufsteigt
sand und salz in unsere haare legt
flüster mir worte
wie eine bucht
nimm meine träume in deine arme
von den wellen und dem wind
an diesem september morgen
unter blauweißem himmel
sand und salz auf meinem kissen
flüster mir worte

Reisebekanntschaft

fliege mit den vögeln nach süden,
zu den blühenden oleanderbüschen,
wo ich mein heim suche.
da, wo sich wießer sand, mit smaragtgrüner flut, wort für wort in die ruhelosigkeit der wellen ergibt,
wo sich spielende gedanken, in hell getünchten haüserecken, aufgeheizt, unter bunten fensterläden ihre melodien singen.
schritte zeichnen sich im sand, stimmen malen ihr bild zu vorbeihastenden wolken auf einem brennenden blau.
ein kühles rot im glas der nacht, das grün schmeckt,
im bewachsenen garten der straßencafes,
hier in der aufgeizten häuserecke,
neben dem oleanderbusch,
aus dem eine melodie erklingt
worte einer reise
weit, weit entfernt …

Regenrote Nelken

die nacht mit sternenaugen,
rot die venus, tief im süden,
der polarstern,
weiß und hoch im norden,
sie schaut mit sommerfarben
in dunkel schattige gärten
erblickt die schönheit
in den schweigenden stunden
der welt.

Regen wie Bogen

heute morgen rissen die wolken auf, blauer himmel, ein stücklang sonne. das fahrrad schiebt sich über den noch nassen asphalt. reifen die versuchen pfützen auszuweichen. ein blick über die verwaisten häuserzeilen über denen wasser und licht sich zu einem bogen finden. gedanken an ferne herbsttage fliegen im wind, kinder die spielend ihren weg zur schule suchen, bunte taschen die auf ihren rücken mit jedem sprung tanzen. die pedalen, rutschig vom spritzwasser der letzen pfütze denen die verzogenen reifen nicht ausweichen konnten. der geschmack von rührkuchen, ein letztes stück schnell aus der hand, die jacke gegriffen und jetzt hier, auf dem rad, zwischen abgeernteten feldern und grau nassen fassaden. als du gegangen bist hatte ich dieses gefühl von regen wie bogen.

Morgennebel

der wind wirbelt die gedanken durcheinder,
bunt mischt sich im grau,
welt stellt sich kopf,
bodenlos gehalten im all
dem, dass unsere tage umgibt
gerahmt der stunden
in denen wir
welt verstreicheln …

An Dich

sitze noch für einen letzen stillen moment mit vorbei ziehenden güterwagons auf dem kleinen balkon … ob die wohl auch nach berlin oder ans meer fahren? hinter mir läuft die musik unserer letzten nacht und bringt mich zurück in die nähe deiner worte …

ein tag
so normal und gleich
wie jeder andere

ein tag
wie jeder andere
ein stück zeit verloren
und sollte er nicht besonders sein
eine geschenkte erinnerung

ein tag
eine geschenkte erinnerung
an dich …

Hier

ein café, letzte woche, im park, tagungspause, die sonne, warm, mit letzer kraft, man kann es spühren, die tage, kürzer, mehr farben, im geäst, leiser wind. jetzt hier, wieder einmal, zurück, fort und da, ein raum, du, terassenstufen aus marmor, du, ein bett, aufgeschlagenes flüstern, du, etwas musik, ohne haut, so still. erinnerungen, sitzen in der sonne, an einem tisch, unter arkarden, kaffee schwarz, zuckerschaum, auf lippen, ohne gegenüber, warten, stunden blicken, mit brüsten, schön und fest, in händen, mit wortlust. jetzt hier, die offene terassentür, geschichten rauschen, nachtstimmen, du, schatten ohne raum, du, meine hand, du, vor leeren tassen, auf einem tisch, worte ziellos, der mund geschlossen, suche, man kann es schmecken, die gedanken, kürzer, mehr fragend, im innern, deine stimme.

Tageslicht

I.

stehe am offenen fenster, die nacht, die meine gedanken, den rauch, meinen atem hinaus zieht in eine wolkenlose kälte. alles löst sich am horizont, an der grenze zur freiheit des tages, der still auf seine unabdingbarkeit wartet. wartet auf meinen nächsten atemzug. der meine spur in sich aufsaugt, um sie mit seinem ersten licht zurück in die trügerische freiheit unserer augen zu streuen. milch im kaffee. wo werde ich erwachen?

 

II.

der wind treibt die wolken aus südost, deckt den himmel zu, legt die sterne schlafen. tritt ein durch das fenster meiner stille, in den hof letzer gedanken, brennt in den augen, die farben letzter bilder. und da sind nur noch diese worte, die töne, der eigenen inneren melodie. sie klingt leise, stetig, taktgeber eines unaufhörlichem pulsierens. es rauscht in meinen ohren. das tote meer aus südost. salziger geschmackt beißt auf der zunge. töne die sich finden, worte die sich fügen, zu wahrheiten, zu geschichten, die ich fand, sie zu meinen eigenen machte, in diesem geschmack der worte. der kaffee steht wie gewohnt an seinem platz, hier neben mir am fenster, während mein atem, der rauch, hinauszieht in eine sternenlose nacht. wieß in schwarz. wo bin ich erwacht?

 

III.

ich erwache. der himmel ist noch bedeckt, sein blick hinter kalt grauem nebel. allein. der traum geht, die tür fällt hinter ihm in ins schloß. das leise knarren der treppedielen. er ist gegangen, wird sich lösen, auflösen zwischen den menschen die mit ihm auf den zug warten, erlösen, in der schweigenden unerkanntheit eines neuen tages. hier, zwischen all diesen zweifelnden blicken. ich stelle keine fragen, suche keine antworten. eine tasse kaffee neben meinem bett. jemand hat sie dort vergessen. farben mischen sich, dampf schwabt über den tassenrand. wie schmeckte noch der aller erste schluck … warum bin ich erwacht?

Inseltiede

du, blaumond,
du blutmond, spühre dein lachen,
sehe dein licht
dort am anderen ende meiner blicke
und auch wenn ich weiß
dass du für immer für mich
unerreichbar bleiben wirst
bade ich mit wahrer lust
im leuchten deiner schönheit
lege mich in den atem
deiner silbernblau strahlenden begierde
in das gefühl ewiger gezeiten
rastlos scheinendem treibguts
angespült, an die strände deiner nacht
deiner worte,
einem sein.

Zugverbindung 4

hätte ich doch noch vor ein paar winterwochen nicht gedacht, daß die nacht, die dunkelheit so gnädig ist. sie verbiergt, übermalt, schützt, täuscht, blendet mit ihrer trügerischen stille alle die, die sich in ihren bann begeben. uneigennützig, selbstlos, fast aufopferungsvoll nimmt sie mir meine augen, bezierzt meine nase mit unbekannten düften, läßt die haut frösteln, schenkt dem laut ein leise, gibt den gedanken ihre dunkle schwere, die warm und unbekannt wie junger rotwein in das glas des lebens fließt.
hätte sie jetzt gerne neben mir, hier in diesem zug, an diesem sonnig heißen nachmittag, an dem alle konturen, alle bilder, alle worte so scharf sind, als wären sie mit dem skalpell geschnitten. ich will sie nicht sehen, die schönen und an wahrheit armen, will sie nicht hören die, die ihr leben mit floskeln beschwichtigen, will sie nicht riechen die, die meinen atem mit ihrem überteuerten parfüm ersticken. um mich herum unsicherheit, die von aberwitziger gelassenheit überspielt wird, erschöpfung, die bis zum ersten satz noch hätte geadelt werden können, resignation, konstaniertheit in einem leben, das mit den letzten sonnenstrahlen verlischt. und dann? was dann, was wenn das scharf geschnittene spiegelbild in den blicken einer sich zum abendlichen fernsehprogramm begebenden gesellschaft erlischt, wenn nur noch schatten bleiben, stille, der eigene atem, sonst nichts. was dann? was dann mein herz? willst du dich verstecken, aufhören zu schlagen, in einem letzten krampf untergehen, so wie dein spiegelbild an den scheiben dieses abteils verblasst, wenn das licht gelöscht wird und der letze zug in sein depot rollt.
ein lachen drängt in meine ohren, schrill und lauter als meine kopfhörer es überdecken könnten. mein blick fällt in das runde lachen der augen dieses kleinen dunklen mädchens, dass in seinem kinderwagen die sitzreihen wie bei einer großen parade nimmt. ich sehe das fallende lametta in ihren augen fliegen, die jubelnden menschen am rand. jede stumpfheit verblasst, jedes feindliche wort wird mit einem lachen ausradiert. john-f. kennedy in seinem 64er cadillac.
blaues licht kostet weniger als grünes, erdogan ist der halbeuropäische dschingiskahn und wofür die welt retten, wenn wir morgen keine arbeit mehr haben. worte, bloß worte? und dann sehe ich diese augen, es wird wieder tag. ich sehe das küssende paar neben mir, die alte frau, die mit ihren freudentränen ob deines lachens zu kämpfen hat, den glatzköpfigen freak hinten rechts, der mit seinem ehering zu spielen beginnt, den vermeindlichen taliban, der die finger auf seine lippen legt und kindliche töne ausstößt. du hast sie in der hand. und das leben dich. und ich weiß wieder, warum ich freitags zug fahre …

Wesermorgen

Fünfuhrzug

seiten, gesponnen aus einem faden im ersten licht, die mich aus der stille meiner inneren gefangenheit in die freiheit deiner nähe entlassen. jetzt, worte als kuss, entfernung als nähe, ungesagtes als offenbarung, kommen um zu gehen in dieser freiheit aus uns selbst. es sind die blicke im letzen blau, die verschwindenden stimmen in sternenkissen eines eigenen firmamentes. verborgen vor den augen einer welt die uns zu suchenden gemacht hat. zu ewig reisenden, zwischen tag und nacht, ankunft und abreise, den geschichten des gestern und ihrem finden im morgen, zwischem dir und mir.

Regenstille

die musik ist leise, so leise
als hätte der einfallende wind sie selbst geschrieben
nach warmen tagen, jetzt der regen
der wind zieht durch die geöffneten fenster
vertreibt die hitze des tages mit anschwellender kraft
dann die ruhe in schwarz gehüllt
das geräusch erster tropfen auf fensterbänken
die dunkelheit bricht ihr schweigen
ihre tränen für die schönheit dieser welt
wasserfontänen schießen aus dachrohren
stürzen sich in die tiefen der erde
verschwinden und der geruch des sommers kehrt zurück
ihr süßer schmerz ist leise, so leise
graublau spiegelt sich in großen pfützen
verlorenes öl legt seinen regenbogen auf kleine wellen
bevor meine füße unbedacht hineinfallen
ein kalter schauer unter dem nassen hemd
ein unbestimmtes gefühl wie eine lange suche
der tag streift seine feuchten kleider ab
bettet sich zum morgenstern
„willst du die nacht um mich legen?“
die wege und straßen sind leer
nur der sanfte wind schlendert durch sie hindurch
die musik ist leise, so leise …

Blickrichtung

baum, straßenlaterne, baum, straßenlaterne, baum und straßenlatene im wechsel. eine seitenstrasse, ein baum, eine seitenstrasse links, eine strassenlaterne, eine seitenstrasse rechts und die frage: „bin ich schon zu weit gefahren?“ diese trügerischen seitenstrassen, erst locken sie einen mit ihrem einblick, der reiz des unbekannten, der hoffnung auf finden und enden an einem leeren haus, am friedhof, an einem überfüllten parkplatz. wo ist der weg zum meer? zum strand, wo ich meine schuhe ausziehe, die zehen sich in die feuchte masse bohren. wellen machen hosenbeine nass, salz gibt dem blick einen geschmack. strassen enden, wege verschwinden, gedanken lernen fliegen. wind berührt gesicht. sand wird zu fels, wellenrauschen zu gebiergsbächen, die sich sehnend und begierig zugleich in nachttrunkene schluchten stürzen. endlosigkeit wird zu einer bergkette, der blick über ein wolkenmeer am erwachenden punkt der sonne. stille wird zu sturm, schritte lenken ihren weg gen himmel, weiter in das noch fade blau am horizont, das zu brennen beginnt. der tag brennt die nacht, der sturm die unerträgliche stille im innern. schritt für schritt, ein baum, eine strassenlaterne, ein baum, eine laterne, dann eine seitenstrasse. ich möchte anbiegen.